Promovendin: Jana Stoklasa

Erstbetreuung: Apl. Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann

Thema: Wiedergutmachungsverfahren für NS-Verfolgungsschäden von westdeutschen Arbeiterorganisationen: Eine vergleichende Studie von Rückerstattungsverfahren der hannoverschen Konsumgenossenschaft, SPD- und KPD-Druckereibetriebe (1946-1968).

Kurzdarstellung:

Wiedergutmachung für historisches Unrecht ist ein vergleichsweise junges geschichtswissenschaftliches Forschungsfeld. Obwohl Wiedergutmachung für NS-Unrecht nur eines von zahlreichen Beispielen für Wiedergutmachungsprozesse ist, wird bisher in Deutschland mit Wiedergutmachung fast ausschließlich der juristische Kampf von meist jüdischen oder anderen sog. marginalisierten Opfergruppen von NS-Unrecht um eine verspätete Wiedergutmachung bezeichnet. Die eingeschlagenen Wege der Vergangenheitsbewältigung werden zunehmend im europäischen Kontext als Strategien der kollektiven Verdrängung seit 1945 analysiert. 

Unter dem Eindruck internationaler Theorieangebote eröffnen sich jedoch Wege für die Erkenntnis, dass Wiedergutmachung nicht nur in materiellen Leistungen bestehen muss, sondern dass es sich auch um eine Begegnung um zerstörte soziale Beziehungen handelt. Die sog. innere Wiedergutmachung für die NS-Verfolgungsschäden von deutschen Arbeiterorganisationen und ihre mögliche Auswirkung auf die ‘kollektiven Akteure‘ gelten bisher in der Forschung als terra incognita. Inwiefern sind hier die Verfolgungswirklichkeit und damit die innergesellschaftlichen Fronten des Zweiten Weltkrieges durch die gesellschaftspolitischen Grundpositionen des sog. Ost-West-Gegensatzes überdeckt worden? Begünstigten die Wiedergutmachungsverfahren die der Demokratisierung der jungen BRD zugrunde liegende Politik der Amnesie und Amnestie?

Im Rahmen der mikrohistorisch-komparativen Studie von Rückerstattungsverfahren der hannoverschen SPD- und KPD-Druckereibetriebe sowie der Konsumgenossenschaft Hannover wird die konkrete Verfahrenspraxis in den Jahren 1946-1968 hinterfragt. Die empirische Untersuchung der Wiedergutmachungsverfahren im Zusammenhang mit ihrem long term effect beleuchtet gleichzeitig eine bestehende Forschungslücke in der Geschichte der (hannoverschen) SPD und KPD sowie der Konsumgenossenschaft(-en).