Promovendin:
Tonia Fondermann

Thema:
Die personifizierten Anderen – Europäisches Bürgerbewusstsein und Identität bei jungen muslimischen MigrantInnen
Erstbetreuung: Prof. Dr. Dirk Lange

Kurzdarstellung:
Das Promotionsvorhaben nähert sich dem Thema Europäische Bürgerschaft und Identität von der Seite derer, die im öffentlichen Diskurs europaweit oftmals als die Anderen dargestellt werden. Europa hadert mit dem Islam und seinen muslimischen BürgerInnen. In Zeiten großer Verunsicherung ob des europäischen Projekts wird die Frage nach der Identität besonders virulent. Das Promotionsvorhaben geht zunächst der Frage nach, was eine europäische Identität sein kann. Hier wird vor allem auf den Prozess des Othering rekurriert, mithilfe dessen klare Identifikationslinien geschaffen werden. Die Anderen, so die These, sind die europäischen Muslime, an denen sich eine europäische Identität schärft. Vor diesem Hintergrund wird die Relevanz des Vorhabens deutlich: Ist es für jugendliche Muslime, die täglich mit ihrem Anderssein konfrontiert sind, möglich, Zugehörigkeitsgefühle zu Europa zu entwickeln? Oder ist es für sie, als „Experten“ im Management hybrider Identitäten, sogar einfacher, sich Europa zugehörig zu fühlen, als dem Land, in dem sie wohnhaft sind? Die Identifikation mit einer politischen Entität ist die Grundlage für die Entwicklung eines Bewusstseins von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Prozessen und den Rechten und Pflichten, die dem Menschen als Bürger daraus erwachsen. Die Denkfigur des Bürgerbewusstseins wird auf Europa angewendet und es wird die Frage gestellt, inwieweit ein europäisches Bürgerbewusstsein bei jungen Muslimen vorhanden ist. Der empirische Teil des Promotionsprojekts besteht aus einer zweistufigen, qualitativen Erhebung. Im ersten Schritt beschreiben sich die Jugendlichen von etwa 16 Jahren in Assoziationen zu identitätsrelevanten Begriffen in Textform und mittels Zeichnungen. Im zweiten Schritt diskutieren die Jugendlichen auf Grundlage dieser eigens geschaffenen Incentives ihre Rolle als Bürger Europas.

Theoretischer Zugang: Sozialer Konstruktivismus – Wissen ist durch Sprache vermittelt und daher sozial konstruiert; Cultural Studies – Identitätskonstruktion und Selbstverortung geschehen im Kontext eines gesellschaftlichen (Macht)Diskurses