Promovend:
Tobias Kuster

Thema:
Legenden zum Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht – Theoretische Klärun­gen, didaktische Überlegungen und empirische Studien zum kompetenzorientierten Umgang mit Fakten und Fiktionen der NS-Geschichte an ausgewählten Beispielen

Erstbetreuung: Prof. Dr. Michele Barricelli
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Vadim Oswalt

Kurzdarstellung:
Eine hervorragende Aufgabe des Geschichtsunter­richts ist die „gezielte Förderung eines Geschichts­bewusstseins, das in der Lage ist, Legenden und Mythen zu erkennen, zu entlarven, Rationalität und Humanität zur Geltung zu bringen sowie für eine Kultivierung der Erinnerung zu sorgen“ (Gies 2004). Ob und wie dies in der täglich geübten Praxis gelingt, darüber gibt es kaum gesicherte Erkenntnis. Das Promotionsvorhaben hat daher zum Ziel, die Betrachtung einer wünschens­werten Behandlung der fachwissenschaftlich weitgehend erforschten Legenden und Mythen zur NS-Geschichte im Unterricht mit den aktu­ellen fachdidaktischen Desideraten empirischer Lehr-Lern-Forschung produktiv zu verbinden, d.h. empirische Zustandsbeschreibungen und neue Unterrichtskonzepte zu diesem unbestritten immer noch relevantesten Thema im deutschen Geschichtsunterricht methodisch miteinander zu verknüpfen. Die bildungspolitische Forderung einer Nach-PISA-Diskussion im Hinblick auf Kompeten­zentwicklung und Bildungsstandards aufgreifend, soll die empirische Rekonstruktion individueller Lernwege dazu beitragen, konkrete Einsichten in Teilbereiche des historischen Lernprozesses – ins­besondere die sozialen Konstrukte von Perspek­tivenübernahme und historischer Urteilsbildung – zu gewinnen. Mithilfe eines gegenstandsnah entwickelten qualitativen Messinstruments (Leitfadeninterviews u.a.) werden Daten über Unterrichtswirklichkeit erhoben, deren normativ gewendetes Reflexionspotenzial handlungsleitende Alternativen für ein pragmatisches Unterricht­sideal – d.h. hier die Passungsverhältnisse der Kompetenzniveaustufen – liefern kann. Es soll also auf empirischer Grundlage eine Methodik des Methodenlernens entwickelt werden, um darauf aufbauend die Beschreibung einer grundlegenden, hochkomplexen, domänenspezifischen „histori­schen Kompetenz“ im Geschichtsunterricht zu befördern, die die Befähigung zu Analyse, Deutung und Narration ebenso umfasst wie ein angemesse­nes Wirklichkeits- und Historizitätsbewusstsein.