Promovend:
Sven Rößler

Thema:
Gebrochene Souveränität/souveräne Gebrochenheit – Das Politische, Sexualität und Alltag in der Krise der Moderne
Erstbetreuung: Prof. Dr. Dirk Lange
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Andreas Eis (Oldenburg)

Kurzdarstellung:
Mit einem Urbanisierungsgrad von derzeit 50 % der Weltbevölkerung ist die klassische “Moderne“ global überhaupt erst im Begriff, Gestalt anzunehmen. Grund genug, sich im Studium der klassischen „Theorien der Moderne“ zu üben, um zu einem der Gegenwart angemessenen Weltverständnis zu gelangen. — „Theorien der Moderne“, nicht der „Modernisierung“ wohlgemerkt: Kaum verhängnisvoller könnte sein, die in neuzeitlicher Allmachtsphantasie angelegte moderne Apotheose der »Arbeit« theoretisch, d. h. in der Theorie, zu nachzuvollziehen. Es gilt vielmehr, im Sinne Benjamins, vom Sturm des Fortschritts unaufhaltsam in die Zukunft getrieben, das Angesicht auf die Toten, Trümmer und das Zerschlagene zu richten — „Daß sich solchen Augen ein einstimmiger, dialektisch einsichtiger, vernünftig deutbarer Prozeß darbieten könnte, davon kann wohl keine Rede sein.“ (Arendt)

Wie wenig „dialektisch einsichtig, vernünftig deutbar“ die „Kette der Begebenheiten“ des fortwirkenden 20. Jahrhunderts sich darstellt und welche didaktischen Konsequenzen aus ihrer wirkmächtigen Aktualität zu ziehen sind, soll Thema der vorzulegenden Abhandlung sein und ist es in den dieser zugrundegelegten Schriften. Die Umständlichkeit des Titels */Rationalität, Krise, Gewalt — Prolegomena zu einer Didaktik der Moderne nach Motiven im politischen Denken Hannah Arends/*//hat dabei programmatischen Charakter: Sie nimmt in ihrer Selbstbescheidung das Ergebnis eines gebotenen Vorbehaltes gegenüber scheinbaren Evidenzen der Empirie und von Selbstgewissheiten in den Verstandesleistungen bereits vorweg.

Eine, im wortursprünglichen Sinne, an Arendt sich in-form-ierende („eine Gestalt gebende“) Didaktik der Moderne kann dabei weniger an Inhalten ausgerichtet sein, meint aber auch keine isolierten Konzepte oder Kompetenzen, sondern ist primär an der Vermittlung, besser noch: Kultivierung einer “urteilenden“ Haltung ausgerichtet, die sich nicht beliebig in ihre Bestandteile zerlegen oder von ihrem Gegenstand ablösen lässt.