Promovend:
Sara Alfia Greco

Thema:
Jugendliche aus dem Straßenkulturmilieu und ihr Verständnis von Gesellschaft und Politik. Eine ethnographische Untersuchung mit Implikationen für die Politische Bildung
Erstbetreuer: Prof. Dr. Dirk Lange

Kurzdarstellung:
Die Forschungsarbeit möchte sich der Herausforderung der Ermöglichung politischer Bildungsangebote für Jugendliche, die von herkömmlichen Bildungssettings der Politischen Bildung bisher kaum erreicht werden, annehmen, und somit einen Beitrag zu Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Inklusion leisten. Hierzu werden im Rahmen ethnographischer Feldforschung die Lebenswelt der Jugendlichen und ihr Verständnis d.h. ihre Vorstellungen und Konzepte zu Gesellschaft und Politik alltags- und sozialraumorientiert erhoben.

 Die Forschungsstudie widmet sich im Besonderen Jugendlichen aus dem Straßenkulturmilieu. Der durch Elijah Anderson (1990) geprägte Begriff der „street culture“ kennzeichnet hierbei ein Habituskonzept bzw. „ein bestimmtes Konglomerat von Werten und Normen“ (Zdun 2010) sowie einen „Katalog informeller Regeln, die das Miteinander von Personen und die Gewaltanwendung steuern“ (Kersten 2008). Jugendliche aus dem Straßenkulturmilieu zeichnen sich demnach durch spezifische Werte- und Normenvorstellungen, Verhaltensweisen/-codes, Aneignungsräume, Habitus etc. aus. Merkmale sind hierbei u.a. die Dominanz einer maskulinen Kultur, Misstrauen gegenüber Gesellschaft und Mitmenschen, Loyalität gegenüber der eigenen Gruppe, sich Abgrenzen von der Bürgerkultur, starke Wir-Kultur, hierarchisches Selbstverständnis, spezifischer Straßenslang und Sprachgebrauch, überhöhte Bedeutung von Respekt und Ehre, Anti-Autoritäre Grundhaltung, „Underdog“-Gefühl, Überlebensmentalität und „Postleitzahlloyalität“ (van Strijen 2012).

 Die Datenerhebung erfolgt mit qualitativen Methoden der lebensweltlichen Ethnographie: a) Teilnehmende Beobachtung (Feldtagebuch, Beobachtungsbögen), b) Interviews (einzeln und Gruppendiskussion) und c) Dokumentenanalyse (Überprüfung szenetypischer Texte und Sequenzen aus Social Media, Musik, Videos etc. auf straßenkulturelle Codes, Gesellschaftsvorstellungen und latente / manifeste politische Inhalte). Die Forschungsergebnisse der Studie sollen für Wissenschaft und Praxis (Soziologie, Politikwissenschaften, Sozialarbeit, Pädagogik) relevante Erkenntnisse und konzeptionelle Folgerungen, sowie Implikationen für Politische Bildung und Schul-/Förderpädagogik liefern.