Promovendin:
Lena Sebening

Thema:
Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht. Empirische Fundierungsversuche einer zentralen Kategorie der Geschichtsdidaktik unter Bedin­gungen gesteigerter schulischer Heterogenität

Erstbetreuung: Prof. Dr. Michele Barricelli
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Carlos Kölbl

Kurzdarstellung:
Der Gegenwartsbezug ist als geschichtsdidakti­sches Prinzip sowohl in den curricularen Vorgaben für den Geschichtsunterricht als auch in den einschlägigen Einführungs-, Hand- und Wörter­büchern der Geschichtsdidaktik fest verankert. Der Gegenwartsbezug im Geschichtsunterricht stellt sich also auf den ersten Blick als eine durch und durch anerkannte und wohldefinierte Kategorie dar. Im Zuge gegenwartsbezogenen historischen Lernens sollen die Schüler_innen ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein entwickeln, das sie nicht zuletzt zur Gestaltung ihrer Zukunft als mündige Bürger_innen in einer zunehmend komplexer werdenden demokratischen Gesellschaft befähigt. Vor diesem Hintergrund liegt es nahe anzuneh­men, das Prinzip des Gegenwartsbezugs habe auch längt Einzug in den Schulunterricht gehal­ten. Das freilich ist keineswegs eine ausgemachte Sache. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine der zahlreichen empirisch offenen Fragen der Geschichtsdidaktik, die erst im Zuge entsprechen­der empirischer Rekonstruktionsversuche einer Antwort näher geführt werden kann.

Diesem Phänomenfeld möchte sich diese Disserta­tion widmen. Dabei soll reales Unterrichtsgesche­hen mit den Mitteln einer qualitativ-methodisch verfahrenden videobasierten Unterrichtsforschung auf die Frage der Gegenwartsbezogenheit hin analysiert werden. Von Interesse sind sowohl das didaktische Vorgehen der Lehrkraft als auch spontane Äußerungen und Handlungen seitens der Lernenden. Ergänzend sollen Gruppendiskussio­nen mit Schülerinnen und Schülern der gefilmten Klassen herangezogen werden um deren subjek­tive Theorien von Geschichte und Gegenwart zu rekonstruieren. Auf auswertungsmethodischer Ebene werden Prozeduren angewandt, die sich an der Dokumen­tarischen Methode (Bohnsack) bzw. deren Weiter­entwicklung als relationale Hermeneutik (Straub) sowie an Vorschlägen aus der Methodologie und Methodik der Grounded Theory (Glaser/Strauss) orientieren. Ziel ist es, anhand einer empirischen Bestandsaufnahme, die geschichtsdidaktische Theoriebildung um eine empirische Perspektive des Gegenwartsbezuges im Geschichtsunterricht zu ergänzen und zu empirisch gesättigten Typisierun­gen zu gelangen.