Promovendin:
Inken Heldt

Thema:
Schüler/-innenperspektiven auf die Menschenrechte – Implikationen für die Politische Bildung
Erstbetreuer: Prof. Dr. Dirk Lange

Kurzdarstellung:
Die Inanspruchnahme der Menschenrechte „als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft“ (Art. 1 GG) setzt ihr begriffliches und inhaltliches Verständnis voraus. Hier schließt das Vorhaben der geplanten Dissertation an.

Übergreifendes Ziel ist es, Innovationspotenziale und Veränderungserfordernisse in der Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand Menschenrechte in der Politischen Bildung zu ermitteln.

 Die leitende Fragestellung lautet: Wie beeinflussen bestehende Schüler/-innenvorstellungen das Verstehen der Menschenrechte und welche Innovationspotenziale und Veränderungserfordernisse für die unterrichtliche Lehr-/Lernpraxis folgen hieraus?

 Zentral ist die Annahme, dass Schüler/-innen Interpretationen der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit auf der Grundlage subjektiver Erfahrungen und Deutungsmuster vornehmen. Das qualitative Erhebungsdesign der Studie erlaubt es, einerseits die Vielfalt und Besonderheiten individueller Deutungszuschreibungen zu erfassen, anderseits die Äußerungen parallel zu lesen und das inhaltliche Spektrum innerhalb der befragten Gruppe zu dokumentieren: Von welchen Konzepten und Wertvorstellungen gehen die Befragten typischerweise aus, welche Prioritäten werden gesetzt, welche Aspekte und Zusammenhänge sind (noch) kein Bestandteil der Reflexion? Die Untersuchungsgruppe sind Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse an Gymnasien in Niedersachsen.

 Neben der reflektierten (Re)Konstruktion von Schüler/-innenperspektiven zielt die Arbeit auf eine bildungstheoretische und fachdidaktische Fundierung des Lerngegenstandes Menschenrechte. Es gibt keine Theorie der Menschenrechte, die sich auch nur auf ein Mindestmaß an allgemeiner Anerkennung berufen könnte. Gleiches gilt für die meist jungen Konzepte der Menschenrechtsbildung: Die ambitionierten Lernzielansprüche werden häufig primär von gesellschaftspolitischen Wünschen her gedacht. Die Studie beabsichtigt, Widerspruchslagen gegenwärtiger Konzepte der Menschenrechtsbildung aufzuspüren und sich gängigen pädagogisch-politischen Vereinnahmungsstrategien und Überhöhungen zu widersetzen. Hierzu werden unterschiedliche wissenschaftliche Vorstellungen von Menschenrechten systematisch und disziplinübergreifend reflektiert und zu den subjektiven Vorstellungen von Lernenden in Beziehung gesetzt.