Leitung: Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann (Sprecher des Kollegs), Prof. Dr. Karl Schneider

 Mitarbeiter/-innen an der Leibniz Universität: Anette Blaschke, Merit Petersen, Anneke de Rudder, PD Dr. Lu Seegers, Kerstin Thieler, Henry Wahlig

Förderung: VolkswagenStiftung/ Niedersächsisches Vorab; Volumen: 1.557.000 €; Laufzeit: 2007-2015

 

Projektbeschreibung

„Volksgemeinschaft“ zählte zu den am meisten benutzten politischen Schlüsselbegriffen der Weimarer Zeit. Bündelte diese Parole bereits vor 1933 die NS-Propaganda sehr erfolgreich, so entwickelte sie sich nach 1933 zum zentralen Moment der NS-Ideologie und steht für eine erfolgreiche strategische Ausrichtung der Nationalsozialisten, denen es mithilfe dieser Parole gelang, das Konsenspotenzial innerhalb der deutschen Gesellschaft weitreichend auszuschöpfen. Im Rahmen von exemplarisch und vergleichend angelegten regionalen Fallstudien wird seit Mai 2009 untersucht, mit welchen Instrumenten vor Ort die Produktion von „Volksgemeinschaft“ betrieben wurde, welche konkreten inhaltlichen Bezüge dabei (abhängig von unterschiedlichen sozialen, konfessionellen, ökonomischen und lokalspezifischen Rahmenbedingungen) eine besondere Rolle spielten, welche Indizien sich für Erfolg oder Misserfolg der Politik zur Konstruktion und Aufrechterhaltung einer „Volksgemeinschaft“ erheben lassen und in welchem Maße es nach 1945 zu einem Fortwirken bzw. zu einer bewussten Tradierung oder aber zu einer kritischen Erinnerung bzw. gar gezielten Dekonstruktion der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsidee in der Bundesrepublik gekommen ist.

Die ausgewählten Untersuchungsfelder sind niedersächsische Städte bzw. Regionen, bei denen spezifische und besonders relevante Einflussfaktoren deutlich hervortreten und die daher als Fallbeispiele untersucht werden:

  • die drei gerade wegen ihrer Durchschnittlichkeit repräsentativen Gauhauptstädte Hannover, Oldenburg und Lüneburg als wichtige Bindeglieder zwischen der nationalen und lokalen Handlungsebene bzw. als regionale Arenen der NS-Politik;
  • Wilhelmshaven als junge Stadt mit von Beginn an starken militärischen Traditionen, die in der NS-Zeit zu einem einzigartigen großstädtischen Rüstungszentrum ausgebaut werden sollte;
  • die „Neue Stadt“ Salzgitter und das Krisengebiet des Oberharzes, in denen die ökonomische Akzentuierung der nationalsozialistischen Mobilisierungspolitik besonders hervortrat;
  • Hameln und Umgebung sowie Goslar als Inszenierungsorte, aber auch als Arenen des Alltags im „völkischen Kernland“ Niedersachsen, an denen der Blut-und-Boden-Kult besonders intensiv in Szene gesetzt wurde;
  • das Oldenburger Münsterland mit dem „Kreuzkampf“ und Stade mit dem Skandal um den als „Judenknecht“ verfolgten evangelischen Pastor Behrens, die in besonderer Weise zu Brennpunkten von glaubensmäßig bedingten Konflikten und Unruhen wurden;
  • das Emsland, Moringen im Landkreis Northeim und Bergen im Landkreis Celle als Orte und Regionen, in denen Konzentrationslager mögliche „Störfaktoren“, aber auch akzeptierte Elemente des lokalen Interaktionsgefüges für die auf die Generierung von „Volksgemeinschaft“ ausgerichtete NS-Politik darstellen konnten.
    Am Forschungskolleg sind außer der Leibniz Universität Hannover die Universitäten in Göttingen (PD Dr. Habbo Knoch), Oldenburg (Prof. Dr. Dietmar von Reeken) und Osnabrück (Prof. Dr. Jochen Oltmer und Prof. Dr. Hans-Werner Niemann) beteiligt. Insgesamt forschen neben den Hochschullehrern 13 Kollegiat/-innen in den verschiedenen Untersuchungsfeldern, neun davon im Rahmen von Dissertationsprojekten.