Leitung: Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann, Prof. Dr. Thomas Schwark

Mitwirkende: Jenny Hagemann, Dr. Christian Hellwig, Karolin Quambusch, Katharina Rünger, Ecem Temurtürkan sowie eine studentische Projektgruppe des Historischen Seminars der Leibniz Universität Hannover

Kooperationspartner: Historisches Museum Hannover, Gorleben Archiv e.V.

Projektbeschreibung

Im Frühjahr 1979 fand eine der größten Protestveranstaltungen der Bundesrepublik in Hannover statt. Sie richtete sich gegen die Entscheidung für den Bau eines Nuklearen Entsorgungszentrums bei Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Ein „Treck“, angeführt von mehreren hundert Landwirten auf ihren Traktoren, begann am 25. März 1979 im Wendland und endete mit der bis dahin größten Anti-Atom-Kundgebung am 31. März 1979 in der Landeshauptstadt, an der rund 100.000 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Besondere Brisanz und enormen Zuspruch auch außerhalb des Wendlandes erhielt der Protestzug durch den fast zeitgleichen Unfall im Kernkraftwerk „Three Mile Island“ in Harrisburg,USA.

An dieses markante Ereignis der niedersächsischen Landesgeschichte sowie auch der Demokratiegeschichte der Bundesrepublik wird im kommenden Frühjahr mit einer am 31. März 2019 zu eröffnenden Sonderausstellung im Historischen Museum Hannover sowie einem umfangreichen Begleitprogramm mit vielfältigen didaktischen Angeboten und Veranstaltungen zur politischen Bildung erinnert werden. Dem Thema angemessen, wird das Gesamtprojekt – welches die Ausstellung, ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm sowie das pädagogische Begleitprogramm umfasst – auf der Basis einer breiten Kooperation entwickelt. Hauptträger sind: das Gorleben Archiv e.V. in Lüchow, die Kulturhistorischen Museen in Hannover und das Institut für Didaktik der Demokratie an der Leibniz Universität Hannover.

Demokratien sind darauf angewiesen, sich beständig zu erneuern. Jede nachwachsende Generation muss jeweils neu für die Idee der Demokratie gewonnen werden. Damit gewinnt das „Demokratielernen“ eine zentrale Bedeutung für die Reproduktion unserer freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft. Angesichts des in unseren Tagen grassierenden Populismus, der nicht nur Schwachstellen unseres demokratischen Systems kritisiert, sondern bisweilen die demokratische Kultur an sich zur Disposition stellen will, wird die Verständigung darüber, wie politische und soziale Teilhabe in unserer Gesellschaft aussehen kann und soll, essentiell. Denn selbstverständlich gibt es auch in der repräsentativen Demokratie Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen. Die Frage, welche Möglichkeiten Bürgerinnen und Bürger auch in solchen Fällen haben, an der Meinungsbildung mitzuwirken und sich politische Teilhabe zu sichern, kann am historischen Fallbeispiel der Nutzung der Atomenergie und der Konflikte um den Standort Gorleben exemplarisch studiert und diskutiert werden.