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 a. Bürgerbewusstsein und Partizipation

Die pauschale Diagnose der »Politikverdrossenheit« soll auf eine wachsende Distanz zu politischen Fragen und zur Partizipation aufmerksam machen. Doch gerade die jüngere Generation engagiert sich vornehmlich in der sozialen Lebenswelt und nutzt unkonventi­onelle Formen der Partizipation, während konventionelle Beteiligungsformen wie Wahlen oder die Mitgliedschaft in einer Partei zunehmend an Bedeutung verlieren. Entsprechende Forschungsprojekte befassen sich mit der Frage, wie das Bewusstsein für die unterschiedli­chen Formen der Beteiligung an demokratischen Verfahren entwickelt und gestärkt werden kann. Welche mentalen Konzepte bieten Jugendlichen und Erwachsenen Orientierung und Hand­lungssicherheit in der Demokratie? Welche subjektiven Vorstellungen sind im Politik- und Geschichtsbewusstsein verankert und wie lassen sie sich in Lernprozesse integrieren?

 b. Diversität und Inklusion

Die deutsche Gesellschaft ist durch Diversität gekennzeichnet. Der Didaktik der Demokratie stellen sich in diesem Zusammenhang Fragen nach der sozialen Vielfalt und Ungleich­heit. In Pädagogik und Politischer Bildung mangelt es noch immer an Konzepten, wie die Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Gesellschaft bewältigt werden können. Besonders in den Bereichen Schulentwicklung, Lehrplan- und Unterrichtsgestaltung sowie in der Lehrerbildung besteht Handlungsbedarf. Aber auch in der non-formalen Jugend- und Erwachsenenbildung stellt sich die Frage, wie inklusive Bildung gelingen kann. Forschungs­projekte in diesem Bereich interessieren sich für die sozialen und pädagogischen Prozesse der Inklusion und Exklusion. Wie können Prozesse der Integration und Anerkennung geför­dert sowie Rassismen und Ausgrenzung begegnet werden?

 c. Rechtsextremismus und Demokratie

Das Erkenntnisinteresse dieses Schwerpunktes bewegt sich im Spannungsfeld von Demokratiebildung und Rechtsextremismusprävention. Für die Entwicklung nachhaltiger Bildungs- und Präventionsstrategien sind die Zusammenhänge zwischen Diskursen der Ausgrenzung in der »Mitte« der Gesellschaft sowie rechtsextremer Politikformen und Denkweisen zu erforschen. In diesem Feld spielen Fragen der Menschenrechte und der demokratischen Grundwerte eine besondere Rolle. Gefragt wird außerdem nach der Bedeutung von Politischer Bildung für eine kontinuierliche Demokratiepolitik.

 d. Nationalsozialismus und Diktaturerfahrung

Thematische Schwerpunkte historisch-politischer Bildungsarbeit in Deutschland sind der Nationalsozialismus und andere diktatorische Regime. Der Sinn demokratischer Werte und Institutionen eröffnet sich in der Erkenntnis von Gewaltherrschaft und Unterdrückung. Neben der Erforschung und Vermittlung von Strukturen, Bedingungen und sozialer Praxis der NS-Herrschaft steht die Untersuchung der Transformation der »NS-Volksgemeinschaft« in eine demokratische Bürgergesellschaft nach 1945 im Mittelpunkt. Daneben interessieren auch die Themenkomplexe DDR, deutsche Teilung und Grenzregime als Nachgeschichte von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg. Es werden aktuelle erinnerungskulturelle Paradigmen mit biografisch-narrativen Zugängen und digitalen Medien wie Zeitzeugenarchiven verbunden. An dieser Stelle gewinnt die Kooperation mit den niedersächsischen Gedenkstätten und ihren pädagogischen Abteilungen besondere Bedeutung.

 e. Europäisierung und Globalisierung

Heute muss sich die deutsche Gesellschaft den Bedingungen der Europäisierung und Globalisierung stellen. Unerlässlich sind historisch-politische Forschungsprojekte mit didaktischem Anspruch, die dem Spannungsfeld aus regionaler Tradition und zunehmend globalisierten Rahmenbedingungen gerecht werden. Von besonderem Interesse ist dabei die politische Geschichte von Grenzen und Entgrenzungen am Beispiel der deutschen Teilung, aber auch die Untersuchung wirtschaftlicher Verknüpfungen und des friedlichen Ideenwettbewerbs sowie des kulturellen und interreligiösen Austauschs.